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<title>Nicolas Champion</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Nicolas Champion</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Nicolas Champion dit Le Liégeois</b> (* um 1475 in <a href="L%C3%BCttich" title="Lüttich">Lüttich</a>; † <a href="20._September" title="20. September">20. September</a> <a href="1533" title="1533">1533</a> in <a href="Lier_(Belgien)" title="Lier (Belgien)">Lier</a>) war ein <a href="Franko-fl%C3%A4mische_Musik" title="Franko-flämische Musik">franko-flämischer</a> <a href="Komponist" title="Komponist">Komponist</a>, <a href="Gesang" title="Gesang">Sänger</a> und <a href="Klerus" title="Klerus">Kleriker</a> der <a href="Renaissance" title="Renaissance">Renaissance</a>.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup><sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Leben_und_Wirken">Leben und Wirken</h2></div>
<p>Der Beiname des Komponisten „Le Liégeois“ (Der Lütticher) nimmt Bezug auf seinen Geburtsort. Sein Bruder Jacobus (oder Jacques) Champion wurde etwa um die gleiche Zeit in Lüttich geboren, war ebenfalls Sänger, vielleicht auch Komponist, und wurde früher von der musikhistorischen Forschung öfters mit Nicolas verwechselt. Ein Bezug zur französischen Familie <i>Champion</i>, <a href="Cembalo" title="Cembalo">Cembalisten</a> und Komponisten des 17. Jahrhunderts, wird von einigen Musikforschern vermutet, ist aber bisher nicht nachweisbar.
</p><p>Nicolas Champion erhielt wahrscheinlich seine erste Ausbildung in seiner Heimatstadt, jedoch gibt es über seine Jugend- und Ausbildungszeit keine Informationen. Der erste Beleg betrifft seinen Eintritt in die <i>Grande Chapelle</i> des <a href="Herzogtum_Burgund" title="Herzogtum Burgund">Burgundisch</a>-<a href="Habsburg" title="Habsburg">Habsburgischen</a> Hofs von Herzog <a href="Philipp_I._(Kastilien)" title="Philipp I. (Kastilien)">Philipp dem Schönen</a> in <a href="Mechelen" title="Mechelen">Mecheln</a> und <a href="Br%C3%BCssel" title="Brüssel">Brüssel</a> am 13. November 1501, noch vor der ersten Reise Philipps mit der Hofkapelle nach Spanien. In diesem Ensemble wirkte er als Sänger und <a href="Kaplan" title="Kaplan">Kaplan</a> bis zum Jahr 1516. Seine Dienstherren waren Philipp der Schöne, <a href="Johanna_(Kastilien)" title="Johanna (Kastilien)">Johanna</a> von <a href="Kastilien" title="Kastilien">Kastilien</a> und Erzherzog Karl, der spätere Kaiser <a href="Karl_V._(HRR)" title="Karl V. (HRR)">Karl V.</a> Die Hofkapelle diente auch als Instrument der Repräsentation, so dass Nicolas auf den Reisen der Herzöge oft für mehrere Wochen oder Monate in Länder mit befreundeten oder verwandten Herrschern gelangte. Nach der ausgedehnten Spanienreise von Philipp dem Schönen Ende 1501 bis Frühjahr 1502 gab es eine zweite Spanienreise ab Ende 1505; nachdem der Herzog mit seinem Gefolge im April 1506 für den Sommer in <a href="Burgos" title="Burgos">Burgos</a> Station machte, erkrankte er im Frühsommer schwer an Fieber und starb hier am 25. September 1506. Die Hofkapelle löste sich auf, ein Teil der Mitglieder kehrte nach Burgund zurück, andere, so auch Nicolas Champion, traten in den Dienst der Nachfolgekapelle der Witwe, Johanna von Kastilien, die in der Entlohnung besonders großzügig war.
</p><p>Johanna, mit dem Beinamen „die Wahnsinnige“, kam offenbar auch nach längerer Zeit nicht über den Tod ihres Mannes Philipp hinweg, veranstaltete zwei Jahre lang jede Nacht einen Trauerzug um das Schloss, bei welchem der Sarg mit der Leiche Philipps mitgeführt wurde und bei dem auch der Kapellchor jede Nacht <a href="Requiem" title="Requiem">Requiems</a> zu singen hatte; einer dieser Sänger war Nicolas Champion. Der Vater Johannas, Erzherzog <a href="Ferdinand_II._(Arag%C3%B3n)" title="Ferdinand II. (Aragón)">Ferdinand</a>, entmachtete Johanna schließlich im August 1508, indem er sie in die Festung zu <a href="Tordesillas" title="Tordesillas">Tordesillas</a> einsperren ließ. Ihre Hofkapelle löste sich danach ebenfalls auf und Nicolas schloss sich der Kapelle Karls V. an. Hier nahm er einen hohen Rang ein und wurde sehr gut bezahlt, wenn er auch nicht den Rang von <a href="Pierre_de_la_Rue" title="Pierre de la Rue">Pierre de la Rue</a> erreichte.
</p><p>Durch seine guten Kontakte und seine Dienste bei Hof erwarb er von 1508 bis etwa 1520 eine Reihe von <a href="Pfr%C3%BCnde" title="Pfründe">Benefizien</a> in den Städten <a href="Br%C3%BCgge" title="Brügge">Brügge</a>, <a href="Namur" title="Namur">Namur</a>, <a href="Lens_(Belgien)" title="Lens (Belgien)">Lens</a>, Lier, <a href="Voorne_aan_Zee" title="Voorne aan Zee">Oostvoorne</a>, <a href="Valenciennes" title="Valenciennes">Valenciennes</a>, <a href="Geervliet" class="mw-redirect" title="Geervliet">Geervliet</a> und <a href="Brielle" title="Brielle">Brielle</a>. Im Jahr 1516 wurde er als <a href="Kanoniker" title="Kanoniker">Kanoniker</a>-<a href="Kantor" title="Kantor">Kantor</a> in Lier Nachfolger des verstorbenen Kantors <i>Nicolas de Leesmeester</i>, blieb aber dennoch zeitweilig im Dienst der Hofkapelle und reiste mit ihr 1523 als Interims-<a href="Kapellmeister" title="Kapellmeister">Kapellmeister</a> nach Spanien. Darüber hinaus könnte er eine gute Beziehung zu Herzog <a href="Friedrich_III._(Sachsen)" title="Friedrich III. (Sachsen)">Friedrich dem Weisen</a> von <a href="Sachsen" title="Sachsen">Sachsen</a> gehabt haben, weil er für dessen Hofmusik eine fünfstimmige <a href="Messe_(Musik)" title="Messe (Musik)">Messe</a> geschrieben hat. Sein letzter überlieferter Auftrag für den Hof Karls V. bestand darin, im Jahr 1524 nach dem Tod des Komponisten Nicole Carlier einen neuen Singmeister und sechs neue Sänger zu suchen, wobei er für die Stellung des Singmeisters möglicherweise seinen Bruder Jacobus gewann. Später zog er sich an die <a href="St._Gummarus_(Lier)" title="St. Gummarus (Lier)">Kirche St. Gummarus</a> in Lier zurück, starb hier am 20. September 1533 und wurde sechs Tage später am gleichen Ort beigesetzt. Er hat dort auch ein <a href="Seelenamt" class="mw-redirect" title="Seelenamt">Jahrgedächtnis</a> gestiftet.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bedeutung">Bedeutung</h2></div>
<p>Von Nicolas Champion ist nur eine eingeschränkte Anzahl von Kompositionen überliefert, welche jedoch weit verbreitet waren. Im Hinblick auf diese Werke war er ein außerordentlich fähiger Komponist, der sich seinem Stil nach auf dem Übergang von der spätburgundischen Tradition <a href="Jacob_Obrecht" title="Jacob Obrecht">Jacob Obrechts</a> und Pierre de la Rues zur neuen Strömung der „<a href="Josquin_Desprez" title="Josquin Desprez">Josquin</a>-Nachfolge“ von <a href="Nicolas_Gombert" title="Nicolas Gombert">Nicolas Gombert</a> befand, insbesondere durch seine Messe mit mehreren <a href="Cantus_firmus" title="Cantus firmus">Cantus firmi</a> und der Anwendung der <a href="Kanon_(Musik)" title="Kanon (Musik)">kanonischen</a> Schreibweise. Wie de la Rue setzte er den Klangreichtum des fünf- und sechsstimmigen Satzes ein und machte von <a href="Deklamation" title="Deklamation">deklamatorischen</a> Passagen Gebrauch. Die klare formale Symmetrie von Champions Werken wird durch die zyklische Wiederkehr und die Fortentwicklung musikalischen Materials zwischen Abschnitten von <a href="Motette" title="Motette">Motetten</a> und zwischen ganzen Messesätzen verstärkt. Diese und andere fortgeschrittene Techniken melodischer und <a href="Kontrapunkt" title="Kontrapunkt">kontrapunktischer</a> Entwicklung setzen ihn an die vorderste Linie in der Musik seiner Generation. Seine Werke haben sich, wie die anderer franko-flämischer Komponisten, später in spanischen und deutschen Quellen verbreitet. Nachdem bei einigen Kompositionen der Vorname nicht vermerkt ist, konnte bei diesen bisher nicht geklärt werden, ob sie seinem Bruder zugeschrieben werden müssten. Der Musiktheoretiker und Komponist <a href="Adrianus_Petit_Coclico" title="Adrianus Petit Coclico">Adrianus Petit Coclico</a> (1499–1562) schätzte in seinem <i>Compendium musices</i> (erschienen <a href="N%C3%BCrnberg" title="Nürnberg">Nürnberg</a> 1552) einen gewissen Champion (ohne Vornamen) hoch ein und rechnete ihn zusammen mit Josquin, de la Rue, Gombert und <a href="Jean_Courtois" title="Jean Courtois">Jean Courtois</a> († vor 1567) zur Gruppe der <i>musici praestantissimi</i>.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Werke">Werke</h2></div>
<p><b>Gesamtausgabe</b>: Nicolas Champion, Collected Works, herausgegeben von Nors Sigurd Josephson, Neuhausen-Stuttgart 1973 (= Corpus mensurabilis musicae Nr. 60)
</p>
<ul><li>Messen
<ul><li>Missa Ducis Saxsoniae „Sing ich niet wol, das ist mit leyt“ zu fünf Stimmen; in einer Handschrift Nicolas Champion zugeschrieben, in einer anderen anonym</li>
<li>Missa supra „Maria Magdalena“ zu fünf Stimmen; in einer Handschrift <i>Nicolaus Campion</i> zugeschrieben, in einer anderen nur <i>Champion</i> (ohne Vornamen), in zwei weiteren anonym</li>
<li>Missa „Ales Regretz“ zu vier Stimmen; Zuschreibung an <i>Nicolaus Scompianus</i> (?), nur Alt und Bass erhalten</li></ul></li>
<li>Motetten
<ul><li>„Beati omnes“ zu sechs Stimmen</li>
<li>„Deus in audiutorium“; in einer Handschrift <a href="Ludwig_Senfl" title="Ludwig Senfl">Ludwig Senfl</a> zugeschrieben, in einer weiteren Nicolas Champion, in einer dritten Josquin</li></ul></li>
<li>Chansons
<ul><li>„Noch weet ick een schoen ioffrau“ zu vier Stimmen; es sind hiervon auch zwei <a href="Laute" title="Laute">Lautenfassungen</a> überliefert</li></ul></li>
<li>Werke mit zweifelhafter Autorschaft
<ul><li>„De profundis clamavi“ zu vier Stimmen; auch Josquin zugeschrieben, jedoch sprechen stilistische Gründe und die Zuschreibung in einer österreichischen Handschrift für Nicolas Champion als Komponist</li></ul></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur_(Auswahl)"><span id="Literatur_.28Auswahl.29"></span>Literatur (Auswahl)</h2></div>
<ul><li>G. van Doorslaer: <i>Nicolas et Jacques Champion, dits Liégeois, chantres au début du XVI siècle</i>, in: Mechlinia Nr. 8, 1930, Seite 4–13</li>
<li>H. Federhofer: <i>Etats de la chapelle musicale de Charles-Quint (1528) et de Maximilien (1554)</i>, in: Revue Belge de musicologie Nr. 4, 1950, Seite 24 und folgende</li>
<li>N. S. Josephson: <i>Some Remarks on the Music of Nicolas Champion</i>, in Musica disciplina Nr. 29, 1975, Seite 149–163</li>
<li>C. J. Cyrus: <i>Josquin in the Fishbowl</i>, in: Early Music Nr. 28, Heft 1, 2000, Seite 147</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li><a href="https://imslp.org/wiki/Category:Champion,_Nicolas" class="extiw external" title="scores:Category:Champion, Nicolas">Noten und Audiodateien von Nicolas Champion</a> im <a href="International_Music_Score_Library_Project" title="International Music Score Library Project">International Music Score Library Project</a></li>
<li>Gemeinfreie Noten von <a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.cpdl.org/wiki/index.php/Nicolas_Champion">Nicolas Champion</a> in der <a href="Choral_Public_Domain_Library" title="Choral Public Domain Library">Choral Public Domain Library – ChoralWiki</a> (englisch)</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Quellen">Quellen</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><a href="Die_Musik_in_Geschichte_und_Gegenwart" title="Die Musik in Geschichte und Gegenwart">Die Musik in Geschichte und Gegenwart</a> (MGG), Personenteil Band 4, Bärenreiter und Metzler, Kassel und Basel 2000, ISBN 3-7618-1114-4</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text">The New <a href="Grove_Dictionary_of_Music_and_Musicians" title="Grove Dictionary of Music and Musicians">Grove Dictionary of Music and Musicians</a>, herausgegeben von Stanley Sadie, MacMillan, London 2001</span>
</li>
</ol>
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